WO LEBEN WIR EIGENTLICH?
GEDANKEN ZU DIESER WELT
IN DER WIR ALLE LEBEN


Seit Jahrtausenden versuchen wir Menschen das Wesen der Natur zu ergründen. Durch Messungen, Vergleiche und Überlegungen haben wir die äußeren Schichten der Erde erforscht und auch die Stellung und Bewegung der für uns sichtbaren Himmelskörper beobachtet und aufgezeichnet, ja wir sind sogar schon ins „All" vorgestoßen, 
aber  sind wir dadurch den Geheimnissen des Universums wirklich sehr viel nähergekommen?



VON WEGEN RUHE UND BEHAGLICHKEIT

Da sitzt man abends in seinem Garten (oder auch auf seinem Balkon), schaut genüsslich zum sternklaren Himmel empor, ist sich der Ruhe rundherum voll bewusst - selbst die Nachbarn kann man zurzeit nicht hören! -  und schätzt die angenehme Unbeweglichkeit, deren man sich im Augenblick voll hingeben kann.
Doch HALT !!! Wir klammern uns unwillkürlich an unseren Stuhl, überlegen, ob wir uns vielleicht sogar auf den Boden legen sollten  ----  aber da ist ja zum Glück noch die Schwerkraft.
Nur mit großer Mühe können wir den einmal aufgekommenen Gedanken verbannen, dass wir nämlich beileibe nicht in angenehmer Unbeweglichkeit verharren, sondern uns mit unserem Stuhl, ja selbst mit dem ganzen Garten, in rasender Bewegung befinden. Die Geschwindigkeit, in der wir uns vorwärtsbewegen, ist so groß, dass sie sogar unser Vorstellungsvermögen übersteigt.
Gewiss, 100 km/h im eigenem Wagen - ja, vielleicht sogar gewagte 190 km/h - haben auch wir wohl bereits einmal erlebt. Einige kennen ja auch das Gefühl, sich im Flugzeug mit fast 1000 km/h über den Erdboden zu bewegen. Aber was ist das alles schon?
Wir bewegen uns mit unserem Stuhl, dem Garten, ja der ganzen Erde, mit einer Geschwindigkeit von sage und schreibe 108.000 km/h durch den Weltraum auf unserer Umlaufbahn um die Sonne.
Und wen das noch nicht beeindruckt, der muss sich sagen lassen, dass wir uns nicht nur mit dieser unvorstellbaren Geschwindigkeit dahinbewegen, nein, wir rotieren dabei auch noch. Das heißt natürlich, dass unsere Erde rotiert, indem sie sich um ihre eigene Achse dreht. Die Folge ist,  dass jeder Fleck in unseren Breiten, hier in Deutschland, dabei ständig über 1000 km/h zurücklegt.
Am Äquator sind das fast 1.700 km/h. Dort ist das Risiko hinausgeschleudert zu werden also noch viel größer.
Stellen wir uns doch einmal eines dieser neuen gewagten Geräte auf einem der großen Volksfeste vor, das kleine Gondeln an langen Armen mit einer Gondelgeschwindigkeit von mehreren Hundert km/h bewegen würde und diese Gondeln dabei gleichzeitig mit entsprechender Drehgeschwindigkeit rotieren ließe.
Gewiss, das ist ein ausgesprochen zaghafter Vergleich.
Aber wir wären imstande, uns diese Geschwindigkeiten zumindest vage vorzustellen und ich würde sicherlich nicht alleine zurückbleiben, wenn man mich - auch gegen Zahlung einer hohen Belohnung - nicht zur Mitfahrt überreden könnte.
Denken Sie also bitte immer daran, wenn Sie einmal abends so richtig gemütlich im Garten oder auf dem Balkon sitzen und hinauf zu den Sternen blicken  -  oder vergessen Sie das alles doch am besten schnell wieder, denn die Erde hat uns ja zum Glück fest im Griff.


            EIN VERSUCH, UNSER UNIVERSUM „ÜBERSCHAUBAR" ZU MACHEN

Da wir bei der Betrachtung des Universums auf für uns nur schwer (oder gar nicht) vorstellbare Entfernungen stoßen, ist es verständlich, dass die hier genannten Zahlen, trotz intensiver Forschung der Kosmologen und Astronomen seit vielen Jahrhunderten, nur Annäherungswerte sind. Bei Zahlen im Bereich von Millionen (Mio.) oder auch Milliarden (Mrd.) Lichtjahren nehmen wir das aber sicherlich gerne mit in Kauf; geben sie uns doch eine vage Vorstellung, in welche Weiten wir uns bei unseren Betrachtungen begeben. Ein Lichtjahr entspricht der Entfernung, die das Licht in einem Jahr zurücklegt und das sind 9.460,5 Mrd. km.
Es wird geschätzt, dass das Universum, d. h. die im Weltall befindliche Materie, seit ca. 10 - 15 Mrd. Jahren (dem sogen."Big Bang") auseinander strebt. Die Entfernungen im Weltraum vergrößern sich dadurch ständig. Das Universum besteht aus zusammenhängender Materie, den Sternen, die zum Teil in Form von festen Massen, zum Teil aber auch als Gase auftreten, sowie aus Weltraumstaub und aus Strahlung unterschiedlicher Energie. Im Nachfolgenden will ich auf die Sterne eingehen.
Diese Sterne gehören jeweils größeren Einheiten, den Galaxien bzw. Supergalaxien, an. Die größten dieser Einheiten bilden die sogen. Supergalaxien. "Unsere" Supergalaxie, zu der die Milchstraße und damit auch unsere Sonne gehört, wird als die "Lokale Supergalaxie" bezeichnet. Sie hat eine geschätzte Ausdehnung von ca. 165 Mio. Lichtjahren und dreht sich um einen Punkt in ihrem Zentrum. Die Umlaufzeit wird auf ca. 150 Mrd. Jahre  geschätzt.
Die Supergalaxien setzen sich aus unterschiedlich großen, ebenfalls rotierenden, Galaxien-Gruppen oder -Haufen zusammen, wobei unsere wieder die „Lokale" Gruppe genannt wird, die ihrerseits aus etwa 100 Galaxien besteht. Eine davon ist unsere Galaxie, die Milchstraße.
Die Milchstraße besteht ebenfalls aus vielen kleineren, rotierenden Systemen. Sie hat einen Durchmesser von ca. 100.000 Lichtjahren. Auch die Milchstraße dreht sich um einen Punkt in ihrem Zentrum. Die Sonne, die sich mit geschätzten 30.000 Lichtjahren vom Zentrum der Milchstraße, schon mehr dem Rande zu befindet, bewegt sich dabei auf ihrer Umlaufbahn mit einer Geschwindigkeit von ca. 900.000 km in der Stunde und benötigt ca. 200 Mio. Jahre für einen Umlauf.
Nachdem wir uns in unseren Gedanken in diesen unvorstellbaren Weiten bewegt haben, kommen wir uns bei der Betrachtung unseres Sonnensystems schon fast wie zu Hause vor. Absolut gesehen sind wir auch hier aber noch weit, weit von unserer Erde entfernt, aber die ganze Betrachtung soll uns ja nur eine Vorstellung der relativen Entfernungen geben, damit wir uns anhand von Vergleichswerten, wie dem Lichtjahr mit seinen 9.460,5 Mrd. km, überhaupt in den kosmischen Entfernungsangaben zurechtfinden können.
Da die bisher beschriebenen Systeme so groß sind und sich auch, relativ zu den Weiten des Weltraums, aus unserer Sicht kaum oder gar nicht bewegen, werden alle Sterne in unserer oder in der übergeordneten Galaxie als sogen. Fixsterne bezeichnet.
Der unserer Sonne am nächsten stehende Fixstern ist der Proxima Centaurus in einer Entfernung von 4,3 Lichtjahren und die nächste Galaxie innerhalb unserer Lokalen Gruppe, aber außerhalb der Milchstaße, ist die Magellansche Wolke in ca. 160.000 Lichtjahren.
Unser Sonnensystem, das sind die Sonne und ihre Planeten, hat eine Ausdehnung von ca.12 Mrd. km. Die Sonne selbst hat einen Durchmesser von ca. 1,4 Mio. km und bildet das Zentrum der Umlaufbahnen von neun Planeten (ganz innen Merkur mit einer Umlaufzeit von ca. 88 Tagen, und ganz außen Pluto, mit ca. 250 Jahren). Unsere Erde, als der dritte Planet von innen nach Merkur und Venus, hat einen Durchmesser von ca. 13.000 km und umläuft die Sonne in einer Entfernung von ca. 150 Mio. km. Dazu benötigt sie 365 Tage. Die Sonne und jeder der Planeten dreht sich außerdem mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten um die eigene Achse.
Das Weltall, unser Universum, ist in seinen Maßen und seinem Ausmaß, wie wir sie in Fachbüchern nachlesen können, so überwältigend, dass es für uns normale Menschen, den Nicht-Spezialisten, schwierig ist, mit den Zahlen überhaupt etwas anzufangen. Um diese gewaltigen Ausmaße und Entfernungen nun zu relativieren (überschaubar zu machen), will ich einmal versuchen, das Ganze zu verkleinern, zu schrumpfen, indem ich Ihnen das Universum mit einem Maßstab von einem Lichtjahr (mit seinen 9460,5 Mrd. km) als 1 km vorstelle:

     Danach hätte unsere Lokale Supergalaxie immer noch eine Ausdehnung von 165 Mio. km und auch unsere Milchstraße würde noch 100.000 km groß sein.
Ja, selbst bei diesen Entfernungen können wir uns noch wenig Konkretes vorstellen. 165 Mio. km wären aber z. B. die ungefähre Entfernung von uns zur Sonne, während die 100.000 km etwa ein Viertel des Weges von uns zum Mond darstellen würden.
Sehr viel anders wird es jetzt aber, wenn wir näher zur Erde kommen. Bei dem gleichen Maßstab (1 LJ = 1 km) hätte unser ganzes Sonnensystem (die Sonne zusammen mit ihren neun Planeten) nur noch eine Ausdehnung von 1,30 m und unsere gute Erde wäre ganze 1,3 Mikrometer (1,3 tausendstel mm) groß.

Selbstverständlich könnte man den Maßstab auch ändern, würde dann aber entweder für Objekte in der Ferne oder der Nähe Werte erhalten, die man sich noch schwerer vorstellen könnte
.


                                 
WIE IST DAS MIT DER GESCHICHTE UNSERER ERDE?


Sind wir nun eigentlich deren Krönung oder sind wir vielleicht nur ein kurzfristiges Übergangsmodell?
Um nun auch die zeitliche Bedeutung des menschlichen Lebens auf der Erde in Relation zur Erdgeschichte (ca. 5 Mrd. Jahre) zu betrachten, habe ich Letztere auf die Dauer eines Jahres gerafft.
Angenommen also, alles begann an einem
1. Januar.
Wir gehen von einem Gesamtalter des Sonnensystems und auch unserer Erde von ca. 5 Milliarden (5.000 Mio.) Jahren aus. Während dieses gewaltigen Zeitraums begann die Entwicklung von Leben (das in der Lage ist, sich selbst fortzupflanzen) bereits am Ende der halben Zeit, also vor ca. 2,5 bis 3 Milliarden Jahren (das wäre in unserem angenommenen einen Jahr irgendwann im Juni).
Das erste Leben in Form von Algen und auch die vorläufige Weiterentwicklung dieses Lebens fanden im Wasser statt. Darauf bezieht sich der oft benutzte Begriff der "Ursuppe". Die Meere, in damals völlig anderer Verteilung als wir sie heute kennen, boten über längere Zeiträume im Vergleich zum Land geringere Temperaturschwankungen und begünstigten so die Entstehung eines ersten Lebens. Erst vor ca. 400 Mio. Jahren, also nach ca. 4.600 Mio. Jahren (
jetzt wären wir bereits am 2. Dezember) entwickelte sich das erste Leben in Form von Farnen auch auf dem Land.
In den darauffolgenden Erdzeitaltern entwickelte sich das Leben, abhängig von den vielen unterschiedlichen geologischen Entwicklungsphasen (bei sich ständig ändernder Land- / Wasserverteilung mit zum Teil vulkanischer Gebirgsbildung) und extremen Klimaschwankungen, im Wasser und auf dem Land weiter. 
Beginn menschlichen Lebens 
Seit dem Beginn der Erdneuzeit mit dem Tertiär und der Altsteinzeit (vor ca. 60 Mio. bis ca. 10.000 v. Chr.), mit verschiedenen, unterschiedlich extremen Eiszeiten, entwickelten sich die Kontinente, wie wir sie heute kennen. Parallel hierzu entwickelten sich in verschiedenen Teilen Afrikas, Asiens und Europas Vormenschenformen (z.B. Peking, Java, Heidelberg, Steinheim und Neandertal), die, obgleich zum Teil bereits völlig aufrecht gehend, weniger als die Hälfte der heutigen Normalgehirnmasse besaßen und aufgrund der Schädelform noch nicht zu den heutigen Menschenrassen gerechnet werden. Gleichzeitig entwickelten sich auch die meisten der uns heute bekannten Tierarten. Die ältesten fossilen Menschen- bzw. Vormenschenfunde gehören dem Pleistozän (der Altsteinzeit) an, einer Zeit also, die weniger als eine Million Jahre zurückliegt (damit wären wir jetzt am 31. Dezember, und zwar um 22h 18min., also Viertel nach 10 am Silvesterabend. Darum zeige ich in der weiteren Darstellung nur noch die Uhrzeit für den  31. Dezember: Std:Min:Sek).
Die sich in den verschiedenen Erdteilen zum Teil auch überschneidenden Entwicklungen setzten sich stetig fort. Die Frühmenschen fertigten bereits Werkzeuge, Plastiken und Felsen- oder Höhlenmalereien an und entwickelten auch schon bestimmte Kulte, z. B. verschiedene Bestattungskulte.
Man geht davon aus, dass vor Ende der Altsteinzeit (also vor vielleicht 20 - 30.000 Jahren) sowohl Amerika als auch Australien von Asien aus "besiedelt" wurden. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die heutigen Menschenrassen bereits voll ausgebildet.
In der Jungsteinzeit, ab ca. 10.000 v. Chr. ( =
23:58:59) sehen wir die Weiterentwicklung der Lebensformen und die  Entstehung einer frühen Art des Gemeinschaftswesens, das sich allmählich aus den bisherigen Familien- und Sippenverbänden heraus bildet und bestimmte Regeln voraussetzt. Das Jägerdasein macht dem sich ausbreitenden Ackerbau Platz. Es entstehen frühe stadtartige Siedlungen, im Vorderen Orient z. B. Jericho.
Um ca. 4.000 v. Chr. ( =
23:59:22) wurde die Herstellung von Keramik erfunden, deren Spuren man ab diesem Zeitpunkt in Asien, Afrika und auch in Europa findet. In Nordeuropa werden Großsteingräber als Sippen-Begräbnisstätten errichtet. Gleichzeitig finden im Vorderen Orient die ersten "Staaten"-Bildungen statt. Die Sumerer wandern, vermutlich aus Zentralasien kommend, ins Zweistromland (Mesopotamien) ein und gründen den Stadtstaat Uruk, während Hirtenvölker aus dem nordafrikanischen Raum am fruchtbaren Nil siedeln. Die Gesamtbevölkerung der Erde wird, nach Prof. Dr. Werner Stein u.a. ("Daten der Weltgeschichte"), zu diesem Zeitpunkt auf ca. 20 Mio. Menschen geschätzt.
In und um Uruk und ebenso am Nil entstehen Hochkulturen. Die Sumerer entwickeln erst eine Bilderschrift und in der Folge, durch Einritzen von einzelnen Schriftzeichen in weichen Ton, aus der Bilderschrift die Keilschrift. In Ägypten entsteht parallel hierzu während der ersten Dynastien eine Hieroglyphenschrift.
Um ca. 2700 v. Chr. ( =
23:59:30), während der 4. Dynastie, lässt der Pharao Cheops die nach ihm benannte große Pyramide erbauen.
Ab ca. 2.000 v. Chr. ( =
23:59:35) beginnt die erste große Wanderung der Indogermanen. Bei den Indogermanen handelt es sich um Menschen, die zu dem Zeitpunkt in Europa und dem westlichen bis mittleren Asien lebten und die zu einer gemeinsamen Sprachfamilie gehörten. Im Zuge dieser Wanderungen bildeten sich die einzelnen, heute als indogermanisch bezeichneten Völker (im Westen waren das z. B. die Kelten, Germanen, Italiker, Slawen und Balten u.a.).
An die Jungsteinzeit schließt sich um ca. 1.500 v. Chr. (=
23:59:38) die Bronzezeit und an diese um ca. 1.000 v. Chr. (= 23:59:41) die Eisenzeit an. Damit sind wir dann schon mitten in unserer "Geschichte", auf deren Einzelheiten ich hier nicht weiter eingehen werde.
Aber, einige besondere Epochen unserer "geschichtlichen Zeit" möchte ich in diesem Zusammenhang doch noch erwähnen.
Im Rückblick auf die vielen Jahrhunderte, bzw. Jahrtausende, fand ich die folgenden Zeiten als besonders interessant, da hier verschiedene Ereignisse parallel zueinander stattfanden, die in der Folgezeit vielfach als Eckpunkte der Weltgeschichte angesehen wurden.

     Um ca.
1.200 v. Chr. ( = 23:59:40) regierte in Ägypten der Pharao Ramses II, bei dem die Israeliten Frondienste geleistet hatten. Letztere wurden jetzt von Moses nach Palästina geführt ("Auszug aus Ägypten"). In Griechenland brachen der Sage nach, auch zu etwa diesem Zeitpunkt, die vereinten Griechen nach Troja in Kleinasien auf, um dem König Menelaos (Bruder des Agamemnons) die Braut (die schöne Helena) zurückzuerobern. Homer beschreibt 400 Jahre später  in seiner "Ilias" den Trojanischen Krieg. Durch die Wanderung der sogen. Seevölker von Westen nach Osten und Süden veränderten sich damals die Kulturen sowohl in Griechenland (z. B. die sogen. Dorische Wanderung) wie auch in Vorderasien.

     In
800 n. Chr. ( = 23:59:52,4) wurde Karl der Große, auf den sowohl wir wie auch die Franzosen zurückblicken, in Aachen gekrönt. In Bagdad lebte zu dieser Zeit Harun al Raschid als Kalif ("Tausendundeine Nacht"). An den Küsten Europas erfolgten die ersten Überfälle der Normannen (Beginn der Wikingerzeit).

     Um etwa
1.500 n. Chr. ( = 23:59:56,8) begann der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit und in der Kunstgeschichte begann die Renaissance. Karl V. regierte als Kaiser gleichzeitig über das habsburgische und das spanische Reich. In England regierte Heinrich der VIII. Die Schweiz löst sich im "Schwabenkrieg" vom Deutschen Reich, wird aber erst 1648 als unabhängig anerkannt. In Süddeutschland bahnen sich die "Bauernkriege" an. Kolumbus hat gerade Amerika und Vasco da Gama den Seeweg nach Indien (um Südafrika herum) entdeckt.

Es handelt sich um eine der bedeutenden Epochen, in der folgende Personen gleichzeitig lebten:
Große Humanisten:
u. a. Martin Luther, Melanchton, Erasmus von Rotterdam, Niccola Machiavelli, Hans Sachs, Ulrich von Hutten.
Große Künstler: u. a. Dürer, Tizian, Raffael, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Altdorfer, Holbein d. Ä. und d. J., Lucas Cranach, Tilman Riemenschneider, Hieronimus Bosch, Botticelli.
Große Forscher/Entdecker:
Kolumbus, Vasco da Gama, Kopernikus.

Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts  (ca. 23:59:58,5) gilt als das "Zeitalter der Aufklärung". 1786 endete z. B. die Regierungszeit Friedrichs d. G.; die U.S.A. erklärten ihre Selbstständigkeit (Declaration of Independence, am 4. Juli 1776), die allerdings erst sechs Jahre später (1782) von England anerkannt wurde; dafür begann England jetzt (1788) mit der Besiedelung Australiens; das Jahrhundert endete mit der Französischen Revolution (1789). Es folgten unruhige Jahrzehnte für unseren ganzen Erdteil.
Während dieser Zeit lebten die folgenden bedeutenden Personen, zum Teil gleichzeitig:
Humanisten / Dichter und Philosophen:
u. a. Goethe, Schiller, Voltaire, Rousseau, Kant, Hegel, Herder, Pestalozzi, die Gebrüder Humboldt, Klopstock, Kleist, Lessing, Claudius, Hölderlin, Fichte, Schlegel.
Künstler:  u. a. Händel, Haydn, Mozart, Beethoven, Tischbein, Goya.


                                                                                                               
.    .     .     .     . 


Da die Zeit der Menschen (einschließlich deren Vorstadien) bisher knapp 1 Mio. Jahre (weniger als zwei der von uns hier angenommenen 8.760 Gesamtstunden) andauerte, viele andere frühe Lebensarten aber bedeutend länger überlebten (die Dinosaurier z. B. mehr als hundert Mio. Jahre), fragt man sich unwillkürlich:

Ob unsere Art in weiteren 1 Mio. Jahren (das wären nur ca. anderthalb Stunden in dem angenommen Zeitrahmen von einem Jahr) wohl auch noch da sein wird?

    Wenn wir nun das Vorangegangene, entweder in den tatsächlichen oder in den von mir hier gewählten relativen Werten, auf uns einwirken lassen, dann kommen wir sicherlich nicht umhin, eine gewisse Ehrfurcht zu empfinden. Ehrfurcht vor diesem gewaltigen Werk, in dem auch wir eine Rolle spielen.
Nur, entgegen unserer alltäglichen Vorstellung, ist die Rolle, die selbst der Wichtigste und Größte von uns hier auf der Erde spielt, innerhalb des Universums von unendlich kleiner, ja winziger Bedeutung. Im Vergleich zum Gesamtwerk sind wir Menschen kleiner als ein Staubkorn und unsere Lebensspannen, ja selbst unsere geschichtlichen Epochen, sind kürzer als ein flüchtiger Gedanke im Rahmen der Geschichte unserer Welt.


DAS MUSS EIN MÄCHTIGER GOTT SEIN, DER DAS ALLES ERSCHAFFEN HAT UND JETZT ÜBER ALLEM WACHT.





  UNSER UNIVERSUM   
- wie man es auch sehen könnte


Nachdem ich im vorangegangenen Abschnitt versucht habe, unser Universum durch Vergleichswerte etwas überschaubarer zu machen (leider ist es dadurch nicht gleichzeitig verständlicher geworden), möchte ich jetzt nicht versäumen, diejenigen, die gerne weiterdenken möchten, auch dazu anzuregen und sie ein Stück des Weges dabei begleiten.
Wenn wir noch einmal versuchen, uns das Verhältnis zwischen unserer Erde (mit ihrem Durchmesser von ca. 13.000 km), unserem Sonnensystem (mit seinem Durchmesser von ca. 13 Billionen km) und der Milchstraße (mit ihren ca. 1 Trillionen km = 1 Milliarde mal 1 Milliarde km) vorzustellen, und jetzt noch, als Vergleichsgröße, die eines Menschen (mit durchschnittlich 1,75 m  - einem Wert, auf den wir uns im Folgenden als „MG" = Menschengröße beziehen werden) hinzuziehen, haben wir ein Verhältnis von etwa:

       Milchstraße      = 600 Trillionen (600 x 1018) MG
       Sonnensystem =     7 Billionen   (7 x 1012) MG
       Erde                  =     7 Millionen  (7 x 106)  MG
       Mensch           =     1 MG

Dass aber der Mensch selbst, auch bei unserem, sicherlich immer noch sehr beschränkten  Kenntnisstand, nicht der kleinste bekannte Teil des Universums, oder besser gesagt der Erde ist - denn (abgesehen von unseren Bemühungen unsere allernächsten Nachbarn innerhalb unseres eigenen Sonnensystems zu erkunden) was wissen wir schon über andere Systeme innerhalb unserer Milchstraße oder gar über andere Galaxien -, haben wir schon vor langer Zeit von unseren Wissenschaftlern gehört. Es gibt noch bedeutend kleinere Teile, nämlich die Atome.
Soweit wir wissen, besteht unsere Welt - wir und alles, was um uns herum ist - aus Atomen. Das Atom (es kann recht unterschiedliche Größen haben - für unsere Betrachtung genügt aber eine angenommene Durchschnittsgröße) wiederum besteht aus einem Kern und den diesen Kern in unterschiedlicher Anzahl umkreisenden Neutronen. Ohne nun auf dieses Spezialgebiet weiter einzugehen, will ich hier lediglich die Größe dieser Teilchen in unser Relationsschema einbauen. Während ich oben lediglich versucht habe, das Verhältnis zu den uns umgebenden Systemen darzustellen,  ist es, dank der Forschung unserer Wissenschaftler, auch möglich, diese Übersicht nach unten (wieder bezogen auf die Durchschnittsgröße eines Menschen) weiterzuführen, und zwar wie folgt:

       Mensch     =  1 MG
       Atom         = 1 Siebenmilliardstel  = 1 MG  durch 
(7 x 109)     
       Atomkern  = 1 Siebzigbillionstel   = 1 MG  durch  (70 x 1012 )

          Nicht zufällig habe ich in den dargestellten Verhältnissen (nach oben und nach unten) den Menschen als Basisgröße benutzt.

Der normale menschliche Denkprozess basiert auf unserer Fähigkeit, das mit unseren Sinnesorganen Aufgenommene in unserem Gehirn auszuwerten. Daher bezogen sich unsere Überlegungen bezüglich Größe, Weite und Zeit seit jeher auf das, was wir um uns sahen, nämlich den anderen Menschen, den Horizont und den Tag. Bei der Größe beurteilen wir alles, was viel größer ist als ein Mensch, als groß, bzw. alles was viel kleiner ist, als klein. Ähnlich ist es bei den Entfernungen. Während früher der Horizont und später eine sogen. Tagesetappe einen Begriff der Weite (der Entfernung) darstellte, sind wir seit unseren Studien der Forschungsreisen, mehr aber noch heute, im Alter der Flugreisen, gewohnt, unsere Entfernungsbegriffe weiter auszudehnen. Aber diese Ausdehnung des Begriffes der Weite entsprach und entspricht immer noch unseren menschlichen Fortbewegungsmöglichkeiten, der Erreichbarkeit eines entfernten Punktes. Mit dem Begriff Zeit ist es ganz ähnlich. Ausgehend von Tag und Nacht sowie Sommer und Winter, die sich direkt auf das Leben der Menschen auswirkten, wurde die Basis der Zeit, unter der man sich etwas vorstellen konnte, die Dauer eines normalen Menschenlebens, das sogen. Menschenalter. Auch hier hat sich inzwischen viel geändert. Nicht nur die längere Lebensdauer, sondern auch unsere Kenntnisse der Geschichte vermitteln uns vorstellbare Zeitabschnitte, die zum Teil weit über die Dauer eines Menschenlebens hinausgehen.
Leider ist all das für unsere Zwecke bei der gedanklichen Bewältigung des Universums höchst ungenügend. Denn nicht nur bei Größe und Entfernungen sind wir gezwungen, uns gedanklich in für uns nicht vorstellbaren, theoretischen Werten zu bewegen, die wir nur mit Hilfe von selbst in der Mathematik außergewöhnlichen Zahlen darstellen können. Bei unseren Gedanken über die Zeit erreichen wir genau so schnell die Grenzen des Vorstellbaren. Was bedeuten da noch unsere beeindruckenden geschichtlichen Erkenntnisse, wenn wir uns gleichzeitig vorstellen sollen, dass es menschenartiges Leben seit ca. 1 Mill. Jahren, Leben als solches seit ca. zwei oder drei Milliarden Jahren und diese unsere Erde seit vielleicht fünf oder auch sechs Milliarden Jahren gibt?

Haben wir vielleicht
den falschen Blickwinkel?

Sicherlich ist Ihnen aufgefallen, dass ich bei den Vergleichsgrößen nach außen bzw. nach oben bei der Milchstraße angefangen habe und nicht bei unserer „lokalen Supergalaxie", die ja um ein Vielfaches größer ist. Eine weitere Einbeziehung hätte den Rahmen der vergleichend dargestellten Werte vollkommen gesprengt.
Ja, wenn wir Menschen größer wären, um ein Vielfaches größer, dann sähe alles ganz anders aus. Das Gleiche träfe natürlich auf die Vorstellung zu, dass wir entsprechend viel kleiner sein könnten. Ganz sicher würde die sich dann bietende Perspektive völlig neue Erkenntnisse nach oben, bzw. umgekehrt nach unten ermöglichen.
Wenn wir uns jetzt auch noch vergegenwärtigen, dass es doch wahrscheinlich im Weltraum mit seinen vielen Milliarden Sternen und den dazugehörenden Planeten in den vergangenen fünf oder zehn Milliarden Jahren nicht nur alleine unsere kleine Erde gegeben haben wird, auf der die Verhältnisse für die Entstehung von „sich selbst fortpflanzungsfähigem Leben" günstig waren, sondern dass ähnliche Verhältnisse irgendwann in diesen vielen Jahren, irgendwo auf einem der vielen Milliarden Himmelskörper ebenso vorhanden gewesen sein könnten, dann erscheint doch zumindest unwahrscheinlich, dass wir die einzigen lebenden Wesen im Universum sind. Es ist aber doch eher nicht zu erwarten, dass so etwas (gleiche Bedingungen über einen vergleichbar langen Zeitraum) noch einmal innerhalb unseres Sonnensystems zu finden ist, ja selbst vielleicht nicht einmal innerhalb unserer Milchstraße. Da erscheint dann unsere hoffnungsvolle Suche nach außerirdischem Leben auf unseren Nachbarplaneten wie die Suche in unseren Nachbarhäusern nach einer Maus, die irgendwo in Europa vermutet wird.
Ein anderer Aspekt darf nicht unerwähnt bleiben. Wir sehen und denken ja bekanntlich in drei Dimensionen. Nun gibt es aber durchaus ernst zu nehmende Wissenschaftler, die davon überzeugt sind, dass es mehr als unsere drei Dimensionen gibt, dass wir sie nur nicht wahrnehmen können. Sollten wir also irgendwann in der Zukunft in die Lage versetzt werden, unsere Umwelt mehr als dreidimensional wahrzunehmen, dann erübrigt sich die Frage nach dem Blickwinkel ja vielleicht und wir könnten erkennen, dass der sogen. Urknall, nichts als „nur" die Entstehung einer neuen Supergalaxie der nächsthöheren Größe gewesen ist. Wir wären vielleicht in der Lage auch weiter nach außen und nach innen zu blicken, d. h. aber immer, wenn unsere Sonne noch lange genug mitmacht und der Menschheit genügend Zeit lässt, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen.
Unsere Forscher glauben beobachtet zu haben, dass alte Sonnen (durch plötzliches Aufglühen und anschließendes Erkalten) die ursprünglich bei der Entstehung herausgeschleuderten Teile, die vielleicht für viele Millionen oder auch Milliarden Jahre ihre Sonne als sogen. Planeten umkreisten, wieder in sich hineinziehen, um dann selbst in sich zusammenzufallen. Andererseits werden jedoch auch ständig neu entstehende Sterne (Sonnensysteme) beobachtet. Da diese Beobachtungen ja aber durch die ungeheuren Entfernungen um sehr viele Lichtjahre zeitverschoben sind, haben sich die so von uns beobachteten Geschehnisse auch schon vor sehr langer Zeit ereignet.
Vielleicht müssen wir irgendwann das Weiterforschen auch anderen Lebewesen in anderen Welten überlassen, die sich möglicherweise in den Jahrmilliarden völlig anders als wir und als das uns von der Erde her bekannte und vorstellbare Leben entwickelt haben und die unter Umständen in ihren Erkenntnissen inzwischen viel weiter sind, ja vielleicht sogar auf einer anderen Ebene innerhalb unseres Universums leben.
Um bei unseren Überlegungen nicht auf das Science Fiction-Niveau abzugleiten, sollten sich dieselben immer an gewissen „Ankerpunkten" orientieren, die unseren derzeitig anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen und deren Richtung auch der ernst zu nehmender Forschung entspricht...


                                                   .  .  .  . Und der Mensch?

Ich habe uns Menschen, sowohl in Verbindung mit dem Werdegang unseres Planeten als auch in meinen weiteren Überlegungen über das Universum immer wieder mit einbeziehen müssen, ohne jedoch näher darauf einzugehen. Das will ich jetzt versuchen, nachzuholen.
In den vorangegangenen Texten habe ich bereits beschrieben, wie ich mir unsere Entstehung und Entwicklung vorstelle, nämlich als einen Teil des sich auf unserer Erde entfaltenden Lebens. Ich glaube also nicht, dass wir alle, wie es unsere Religion lehrt, von Adam und Eva abstammen. Das soll aber nicht automatisch bedeuten, dass ich nicht auch einer christlichen Kirche angehöre und an Gott glaube. Das eine schließt das andere durchaus nicht aus, da es sich um zwei völlig unterschiedliche Ebenen oder Sphären handelt. Auch als gläubiger Mensch kann man sich den Ergebnissen unserer Forschungen und den wissenschaftlichen Erkenntnissen - wenn diese so weit gediehen sind - nicht ganz entziehen.
Ich glaube, dass auch wir ursprünglich aus dem allerersten Leben hier auf der Erde stammen. Vielleicht entstand Leben ja nicht nur an einem einzigen Ort, sondern es gab unter Umständen aufgrund der gleichen Bedingungen über einen langen Zeitraum auch damals bereits Parallelentwicklungen von Einzeller-Lebensformen. Es dauerte dann viele weitere Hunderte von Millionen Jahre, bis sich dieses „Urleben" soweit fortentwickelt hatte, dass ein Teil über Amphibien zu Landleben wurde (die Wissenschaftler glauben: vor ca. 400 Mio. Jahren), während der größere Teil wohl weiterhin im Wasser lebte und sich dort weiterentwickelte. Man schätzt, dass es vor ca. 300 Mio. Jahren die ersten Reptilien und vor ca. 200 Mio. Jahren die ersten Saurier gab. Letztere verschwanden jedoch, wie entsprechende Funde uns glauben lassen, nach ca. 100 Mio. Jahren wieder. Aber das alles habe ich bereits beim Universum beschrieben. Erst vor etwa 1 Mio. Jahren gab es dann die ersten Spuren von menschlichen Wesen.
Aufgrund der langen Entwicklungsphasen, hauptsächlich aber in Verbindung mit dem plötzlichen (?) Aussterben der Saurier, die sich in ca. 100 Mio. Jahren an das Leben auf unserem Planeten angepasst hatten, müssen wir davon ausgehen, dass sich die Verhältnisse auf der Erde mehr als einmal so plötzlich änderten, dass die Entwicklung von Leben jedes Mal um zum Teil vielleicht gleich mehrere Entwicklungsstufen zurückgeworfen wurde. Ob es sich dabei nun um größere Einschläge von Meteoriten oder sonstige Einflüsse handelt, wollen wir dahingestellt sein lassen. Nicht nur die verhältnismäßig dünne, auf dem flüssigen Erdinneren „schwimmende" Erdkruste hat sich ja mehrmals (durch verschiedene Gebirgs- und Trogbildungen bei gleichzeitig starker vulkanischer Tätigkeit und Verschiebung der unterschiedlichen Kontinentalplatten) völlig verändert, sondern auch das Klima - sowohl die Atmosphäre wie auch die Bedingungen in den Weltmeeren - veränderte sich. Entsprechend veränderten sich die Voraussetzungen für Leben auf der Erde.
Letztlich sind es immer wieder vorkommende, plötzliche genetische Veränderungen der Lebensformen (sogen. Mutationen), die für eine ständige Weiterentwicklung sorgten und wohl auch weiterhin sorgen werden. Sie treten spontan oder durch äußere Einflüsse auf und bringen bei den jeweils betroffenen Lebensformen eine Veränderung der Erbsubstanz mit sich. Da veränderte Bedingungen auf unserem Planeten wohl nicht immer alle Teile desselben in gleichem Maße trafen, entwickelten sich die Möglichkeiten für einzelne Lebensformen auch an verschiedenen Orten unterschiedlich. Die Folge war die Vielfalt, die wir heute um uns herum erkennen und dessen Teil wir ja - trotz aller inzwischen entstandenen Unterschiede - sind. Bestimmt hat es viele verschiedene Parallelentwicklungen gegeben, aus einer von denen der heutige Mensch entstanden ist, der sich aber auch - selbst wenn wir das in unserer verhältnismäßig kurzen Beobachtungsspanne nur schwer wahrnehmen können - hauptsächlich durch die Weiterentwicklung des menschlichen Gehirns (vielleicht zum Teil auf Kosten unseres Körpers und einiger unserer Sinne) ständig weiter verändert.
Wir wissen alle, dass der Mensch sowohl beim Sehen, Hören, Riechen und auch beim Fühlen/Tasten den meisten der um uns lebenden Tiere unterlegen ist, fühlen uns ja aber durch die Entwicklung unseres Gehirns diesen Tieren weit überlegen. Diese Überlegenheit bezieht sich aber „nur" auf die Art des Lebens, das wir in den vergangenen fünf oder auch zehntausend Jahren für uns entwickelt haben. Ohne jegliche Hilfsmittel wären wir heute möglicherweise völlig hilflos. Wir wären nur schwerlich noch in der Lage, uns von dem, was uns die Natur bietet, zu ernähren und darüber hinaus würde unsere Lebensspanne durch unsere Empfindlichkeit gegenüber den Witterungseinflüssen schnell wieder schrumpfen. Doch zum Glück glauben wir, die notwendigen Bedingungen zu verstehen und sogar, wo notwendig, beeinflussen zu können. Vielleicht dachten das die Saurier (wenn sie das gekonnt hätten) während ihrer letzten paar Millionen Jahre ja auch einmal.
Aber dann haben wir Menschen ja noch eine Seele, die andere Lebewesen, wie wir annehmen, wohl nicht haben. Ja, wenigstens davon müssen wir ausgehen können. Die Seele ist für uns die „Ich-Vorstellung" unseres Selbst, eine Vorstellung, die - soweit uns bekannt ist - bereits in frühesten Kulturen vorhanden war, entstanden durch das Bewusstsein zu leben. Nicht nur zu leben, sondern bewusst etwas anderes zu sein als unsere Mitmenschen - eben ein eigenes Selbst. Voraussetzung für dieses Bewusstsein war erst einmal die Fähigkeit zu denken, d.h. eine Gehirntätigkeit, die wir bewusst einsetzen können. Damit standen wir plötzlich über unseren „Mit-Lebensformen" hier auf der Erde. Ob das Denken die Ausbildung einer Verständigungsform durch Laute (Sprache) ermöglichte bzw. förderte oder die Sprache vielmehr eine Basis für erstes Denken war, müssen wir als Frage stehen lassen. Sprachen entwickelten sich in verschiedenen Regionen in unterschiedlicher Form, machten jetzt aber auch den Austausch von Gedanken möglich. Und die Sprache ermöglicht auch das Erteilen von Anweisungen (Befehle der Älteren, Stärkeren oder Klügeren) an diejenigen, die diese Anweisungen verstanden und auch vielleicht (aus Respekt, Furcht oder Klugheit) befolgten. Im Tierreich herrscht - mit einigen Ausnahmen - das Recht des Stärkeren und so war es sicherlich auch bei den frühen Menschen.
Es hat dann aber noch viele Jahrtausende gedauert, bis die Menschen (jetzt der Mächtigkeit ihrer eigenen Gedanken und Sprache bewusst) sich die ersten Überlegungen hinsichtlich eines friedlichen Nebeneinanders mit anderen Familien, Sippen und später Stämmen machten. Wir müssen davon ausgehen, dass auch die Menschen nur ihren primitiven Trieben (Nahrungsaufnahme zur Selbsterhaltung und Paarung zur Fortpflanzung) folgten. So werden die ersten ethischen Regeln wohl aus der Notwendigkeit heraus entstanden sein, Raub, Vergewaltigung und Mord, zumindest innerhalb der eigenen Gruppe, einzudämmen. Einzelne kluge, oder vielmehr weise Menschen benutzten die für alle sichtbaren Veränderungen in der Natur, wie Tag und Nacht, Sonne und Regen, Sommer und Winter sowie Donner, Blitz, Hagel und andere Unwetter als Beweis für das Vorhandensein von höheren Wesen (Göttern) und als Mahnung an die Menschen, diese höheren Wesen nicht zu erzürnen. Vielleicht sahen diese Einzelnen darin --- ja, vielleicht ist das wirklich ein der Menschheit auf diese Weise bewusst gemachter „Wille Gottes".
So entstanden wohl die ersten Gedanken über das Leben als Mensch. Um diese Gedanken jedoch zu entwickeln und an Folgegenerationen weiterzugeben, genügte bald die Sprache alleine nicht mehr. Nachdem man sich über Jahrhunderte der Erinnerung und der Erzählkunst bedient hatte, erfand man Wege, um diese Gedanken nicht nur in das Gehirn (Erinnerungsvermögen) einzumeißeln, sondern in die umliegenden Felswände. Damit entstanden jetzt auch die ersten Schriften, und zwar wieder parallel (hier Bilder, dort Zeichen), die den Betrachter, so er die benutzten Zeichen ebenfalls kannte und richtig deuten konnte, in die Lage versetzten, noch Jahre später eine Nachricht zu lesen. Die damals am weitesten fortgeschrittenen Menschen auf unserer Erde bewohnten das Gebiet, das wir heute als den Vorderen und Mittleren Orient bezeichnen und die daran angrenzenden Gebiete Südasiens, Südosteuropas und Nordostafrikas.
Vor ca. 4.000 Jahren, also etwa zur Zeit des altsumerischen Gilgamesch-Epos und der ersten Pyramiden war man aber inzwischen schon viel weiter gekommen. Man war nicht nur logischer Gedanken fähig, sondern konnte auch Monumentalbauten planen und ausführen. Frühe Philosophien (Gedanken über den Sinn des Lebens) entwickelten sich jetzt parallel oder zum Teil auch deckungsgleich mit den Religionen.
Es dauerte dann weitere Jahrtausende bis sich europäische Völker, nachdem sie vielen Irr- und Umwegen gefolgt waren, an die Spitze der modernen Menschheit gekämpft hatten. Dies konnte nur durch gleichzeitige Unterdrückung anderer Gruppen in anderen Teilen der Erde erfolgen und es ist nicht voraussehbar, wie lange sich, bei dem ständigen Wandel den wir auch weiterhin durchmachen werden, eine Gruppe an der Spitze halten kann.
Doch zurück zur Menschengeschichte. Inzwischen war die Zahl der Menschen auf der Erde ständig gewachsen. Während sich die Gesamtzahl seit Beginn unserer Zeitrechnung anfänglich in ca. 1.500 Jahren verdoppelte, beschleunigte sich das Tempo ständig. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die erste Milliarde erreicht, 1927 (etwas mehr als hundert Jahre später) hatte sich die Bevölkerung bereits auf zwei Milliarden verdoppelt und weitere 47 Jahre später (1974) wurden bereits vier Milliarden errechnet. Eine weitere Verdoppelung auf acht Milliarden wird für etwa 2026 - 2028  geschätzt. Das hieße, dass man dabei von einem leichten Abflachen der Anstiegskurve ausgeht.
Einer der Gründe für das ständige Anwachsen der Erdbevölkerung ist, dass die meisten von uns heute länger leben als ihre Urahnen. Einerseits die besseren Lebensbedingungen, insbesondere die Ernährung, und andererseits die Möglichkeiten der modernen Medizin haben unsere Lebenserwartung seit Beginn der Zeitrechnung fast verdreifacht.
Um zu überleben, sammelte man inzwischen nicht mehr die Früchte der Natur, noch ging man Jagen; ja selbst das Anbauen von Pflanzen zur Ernährung fand in vielen Gebieten nicht mehr direkt statt. Nachdem man für Jahrtausende selbst erzeugte Produkte getauscht hatte, benutzte man jetzt einheitliche Dinge, die von allen als gleichwertige Gegenleistung für den Erwerb sämtlicher Produkte und Dienste angesehen wurden. Zuerst hatten diese Dinge noch einen direkt vergleichbaren Wert, z. B. Silber oder Gold. Schnell ging man dann aber weiter, indem man anstelle der Dinge zuerst geschriebene und später gedruckte „Versprechen" einführte. Diese Versprechen verbrieften einen Anspruch gegenüber einer Handelsvereinigung oder Zentralverwaltung auf Umtausch derselben, auf Verlangen, in eine entsprechende Menge von Silber oder Gold. Dabei handelte es sich natürlich um die Entwicklung unserer modernen Geldwirtschaft. Das heißt, heute enthalten unsere Banknoten nicht einmal mehr dieses Versprechen. Auch für die einer Bank zur Aufbewahrung und Verwaltung überlassenen Werte haben wir nur noch einen Anspruch auf Rückzahlung in Form von solchem „Schein"-Geld.
Während man es früher mit Bauern, Handwerkern und Händlern zu tun hatte, waren inzwischen zum Teil landwirtschaftliche und handwerkliche, später industrielle Großbetriebe und die international arbeitenden Handelshäuser an ihre Stelle getreten. Seit etwas über hundert Jahren haben sich einzelne Unternehmen so vergrößert, dass daraus von Vorständen geführte Gesellschaften gebildet wurden, deren Kapital in Form von Anteilscheinen (Aktien) in Händen von vielen Personen verstreut ist. Diese Anteilscheine werden, ähnlich wie Waren, an Wertpapierbörsen in allen Teilen der Welt gehandelt. Das hat zur Folge, dass sich die Zusammensetzung „der Eigentümer" eines solchen Unternehmens ständig ändert und der Kapitalgeber „seine" Arbeiter nicht mehr kennen kann und sich den Arbeitnehmern gegenüber auch nicht mehr verantwortlich fühlt. Das Kapital, bisher immer direkter Partner der Arbeit, hat sich, zumindest soweit es die großen Gesellschaften betrifft, in die Anonymität zurückgezogen. Es kommt dadurch zu Machtverhältnissen, die für den normalen Erwerbstätigen unvorstellbar sind. Große Konzerne arbeiten dabei weltweit mit Zahlen, die in manchen Fällen die eines nationalen Budgets übertreffen.
Für die einzelnen Staaten wird es ständig schwieriger, einerseits das Kapital und die damit zusammenhängenden wirtschaftlichen Aktivitäten anzulocken bzw. im Lande zu halten und andererseits sicherzustellen, dass neben angemessener Entlohnung der Beschäftigten, der Staat selbst dabei ausreichende Steuereinnahmen erzielt, um die ständig wachsenden internen Sozialaufgaben wahrnehmen zu können.
Ja, wir sind weit gekommen mit unseren Errungenschaften, doch einfacher wird das Leben nur auf den ersten Blick. In unseren fortschrittlichen und inzwischen sehr komplizierten modernen Staaten bzw. Gesellschaften ist der Einzelne oft nicht mehr in der Lage, die Verantwortung für sein Leben selbst zu übernehmen. Immer öfter muss jetzt der Staat einspringen, wo früher der Einzelne oder das Familienoberhaupt gezwungen war, die Verantwortung alleine zu tragen. Das fängt bei der Familienplanung, der Erziehung und Ausbildung an, setzt sich bei der Suche nach Arbeit fort und endet bei der Sicherung der ökonomischen Lage und der Gesundheit während des ganzen Lebens.
Wenn wir uns diese, unsere Schwierigkeiten ins Bewusstsein rufen, müssen wir anderseits immer daran denken, wie ungleich die Probleme auf unserer Erde verteilt sind. Die Landung immer neuer Asylanten führt uns vor Augen (oder sollte es zumindest), dass es immer noch Gebiete auf unserem Planeten gibt, wo die Menschen oft ohne jede persönliche Freiheit versuchen müssen, zu sammeln und zu jagen, in der Hoffnung so genügend Nahrung für sich und die Familie zu finden - ja, genau so, wie es auch unseren Vorfahren früher, vor sehr langer Zeit einmal erging. Wie weit haben wir uns inzwischen davon entfernt.

Mehr zur Religion und zur Politik

Unsere heutigen großen Religionen sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten (jedoch alle im Süden bzw. Südwesten Asiens) entstanden. Wir können wohl davon ausgehen, dass es stets hohe ethische Ideale waren, die allen Religionen zugrunde lagen. Basis der Religionen muss in jedem Fall die Weisheit / Weitsicht (Erleuchtung, Eingebung) Einzelner gewesen sein, die unter den gegebenen Umständen, zu dem Zeitpunkt und für ihr Volk die Erfordernisse für gewisse Richtlinien (Regeln, Gebote) erkannten. Dass dieselben sinnvoll waren, machten die Akzeptanz und das Fortbestehen über die Jahrhunderte bzw. Jahrtausende deutlich. Gläubige Religionsangehörige sehen sich jeweils als Inhaber und Verfechter der einzig wahren Lehre. Das ist richtig und durchaus verständlich, denn wie sonst könnten sie gläubig sein? Es ist auch verständlich, dass sie versuchen andere, Nichtgläubige, von der Richtigkeit ihrer Lehre zu überzeugen. Leider hat man dabei manchmal, überkommen von allzu starken religiösen Gefühlen oder oft auch von politischen Interessen, die der Religion bei- oder sogar übergeordnet wurden, die allgemeinen Menschenregeln (obgleich diese in die verschiedenen Religionsgesetze / Gebote jeweils mit einbezogen worden waren) verletzt, indem man, anstatt auf die Kraft des Wortes zu vertrauen, sich einzig und allein auf die des Schwertes verließ. Das trifft aber nicht auf alle Religionen in gleichem Maße zu. Wir müssen aber erkennen, dass Fanatismus oder jede Form des Extremismus  - ebenso wie in der Politik - auch in der Religion in der Vergangenheit nur Verderben gebracht hat.
Fanatismus (der die normalen Grenzen überschreitende, unbedingte schwärmerische Eifer, der von jeglichen Rücksichten enthemmt ist) entsteht, so wie der Glaube selbst, dessen Kind er ja ist, fast immer innerhalb größerer Menschenmassen, zuerst als ein Funke, der unter Umständen lange schwelen kann, bevor er angeheizt, dann schließlich voll entfacht sein Unheil bringt. Leider müssen wir, neben der uns vielleicht zunächst einfallenden Christenverfolgung,  auch an die aus Fanatismus begangenen Greueltaten während der Kreuzzüge und die Autodafés (die Ketzer- und Hexenverfolgungen und -verbrennungen) noch bis in die frühe Neuzeit des 18. Jahrhunderts und schließlich an die bis in unsere eigene Zeit reichende Judenverfolgung, die, bei uns Deutschen politisch gelenkt, in der Nazizeit zu einem traurigen Höhepunkt kam, denken. Immer wieder wurde vergessen, dass bei all den verschiedenen Religionen das jeweils Höchste, Achtens- und Bewahrenswerteste (außer Gott selbst) der einzelne Mensch sein sollte.
Religion, der Glaube an eine höhere Macht (an Gott) und an die wichtigsten ethischen Regeln, die in Form von Anleitungen oder auch als Gebote ein Teil der Religionen geworden sind, ist in der einen oder anderen Form für den größten Teil der heutigen Menschheit ein tiefes Bedürfnis, das von den Menschen gefühlt wird, ja, Religion ist für die Menschheit sogar eine Notwendigkeit, ohne die ein wenigstens einigermaßen friedliches Zusammenleben - im Großen wie im Kleinen - kaum denkbar ist. Die Religion sollte uns Einzelne bei unserem lebenslangen Kampf zwischen „Gut" und „Böse" (von Gewalttaten bis hin zu den kleinen Übervorteilungen oder Unwahrhaftigkeiten) eine ständige Hilfe und Richtschnur sein. So sollte es sein, aber in allen Religionen gibt es Gruppierungen oder Sekten, die eigene Wege verfolgen, und selbst die löblichen Regeln (z. B. unsere christlichen Gebote) werden leider nur selten alle strikt eingehalten.
Wenn der Glaube bei uns Christen der sogenannten „westlichen Welt" oftmals von der Hektik und den Niederungen des Alltags verdeckt ist, müssen wir uns um so mehr bemühen, nicht in die Gedankenlosigkeit abzugleiten. Es war und ist auch heute noch leichter, mit unbefriedigten Bedürfnissen und leerem Magen ein Verständnis für eine Religion, oder sogar das Verlangen nach Gott und dem Glauben zu spüren, als es für uns sein kann, die wir nur noch selten mit dem Gefühl des Hungers einschlafen, sondern oft nur um den Erhalt des uns (unserer Meinung nach) zustehenden Anteils an den Vergünstigungen, die der Staat zu verteilen hat, besorgt sind. Da wir ja aber, wenn wir Arbeit haben und Geld verdienen, etwa die Hälfte des Verdienstes direkt oder indirekt an den Staat zur weiteren Verteilung abliefern müssen, ist das wenigstens auch zum Teil verständlich. Bei allem evtl. Desinteresse dürfen wir die Wichtigkeit der Religionen für die ganze Menschheit - und auch für uns Einzelne - aber nicht völlig aus den Augen verlieren. Es liegt natürlich auch an den Pfarrern bzw. Pastoren, den Kirchgängern die Bedeutung der Religion wieder nahezubringen. Nach meinen eigenen Beobachtungen als evangelischer Christ scheint es so, als wenn ein Gottesdienst in der meist seit früher Kindheit gewohnten Liturgie der katholischen Kirche die Kirchgänger mehr zusammenzuhalten vermag, als die oftmals recht moderne und anspruchsvolle Predigt eines evangelischen Pastors. Selbstverständlich mag ich mich da auch täuschen.
Ähnlich wie die Religion benötigen wir auch die Politik, die öffentliche oder gemeinschaftliche Geschäfte mit dem hierfür als Steuern von den Bürgern eingezogenen Geld abwickelt und die Interessen der Einzelnen innerhalb des Gemeinwesens vertreten soll. Natürlich dürfen die Politiker im Namen des von ihnen vertretene Gemeinwesens keine ungenehmigten Verbindlichkeiten eingehen, da sie dem Volk, den einzelnen Bürgern gegenüber, für das ihnen anvertrauten Geld persönlich verantwortlich sind. Wenn diese Selbstverständlichkeit in der Vergangenheit strikt eingehalten worden wäre, könnten die heutigen Regierungen ihre anstehenden Aufgaben erledigen, ohne zuerst einen großen Teil des Gesamthaushalts für Zinszahlungen abzuzweigen. Statt neue Ausgabenpläne zu wecken, sollten Überschüsse dann zuerst für den Schuldenabbau verwendet werden, wenn sie schon nicht an den Steuerzahler zurückgegeben werden. Leider hält ein großer Teil unserer Bürger den Staat für reich und hat kein Verständnis dafür, dass nicht weitere wünschenswerte Aufgaben finanziert werden. -  Doch zurück zur Politik und auch ihren Formen.
Wir haben äußerst schmerzlich gelernt, dass ein totalitäres Regime nicht in Frage kommen kann, weil wir keinen „für immer" guten und weisen Politiker, ohne Korruptions- und Machtmißbrauchsrisiko finden könnten - es gibt ihn nicht. Und wenn es ihn gäbe, wüssten wir nicht, was bzw. wer ihm nachfolgen würde. Also müssen wir uns schon in einer bestimmten Form der Demokratie einrichten, die aber nicht so direkt und wirkungsvoll funktionieren kann. Viele Einzel- und Gruppeninteressen müssen bei jeder (kleinen und großen) Entscheidung  berücksichtigt werden. Das führt dann jedes Mal zu endlosen Diskussionen - in den Parteien, in den Fraktionen, in der Regierung und letztlich im Bundestag und vielleicht auch noch im Bundesrat. Jeder dieser Schritte wird von den Medien kommentiert, die gleichzeitig dem Volk die möglichen Auswirkungen der Einführung bzw. der Nichteinführung eines Gesetzes (entsprechend der politischen Richtung der Zeitung oder des Senders) in manchmal dramatischer Form vor Augen führen. Oft wird bei schwierigen Entscheidungen auch noch ein externer Expertenkreis hinzugezogen, was die Entscheidungsfindung in vielen Fällen nur noch weiter kompliziert.
Da die Bundesrepublik (also wir, wo immer wir zu Volksentscheiden darüber aufgerufen wurden) sich für  16 Länder entschieden hat, mit eigenen Parlamenten, den Landtagen bzw. den Bürgerschaften, in denen Parteien, Fraktionen und Regierungen, jeweils extern „unterstützt" von Medien, für ihr Land und für oder gegen die Bundesregierung agieren, muss man sich nicht wundern, wenn in unserer Demokratie nur wenig (und das Wenige nur sehr, sehr langsam) zuwege gebracht wird. Andererseits kann man dann vielleicht verstehen, dass die Kosten eines solchen Verwaltungsapparats enorm sein müssen und ebenso, warum wir Deutschen in vielen Fällen höhere Steuern und Abgaben (direkt oder indirekt) entrichten müssen als einige unserer Nachbarn. Zumal wir Deutschen in unserer Gründlichkeit stets Wert darauf gelegt haben, dass alles klar geregelt ist, scheint es auch nur selbstverständlich, dass alle unsere Regierungen bestrebt waren und auch weiterhin bestrebt sind, sämtliche Bereiche unseres Gemeinwesens (ja selbst unseres persönlichen Lebens) bis ins Kleinste zu regeln. Das gilt leider auch für Bereiche, in denen der Einzelne durchaus in der Lage wäre, seine Entscheidungen selbst und für sich vielleicht sogar besser, bzw. passender zu treffen. Es führt gleichzeitig zu immer unübersichtlicheren und für den Normalbürger/Laien unverständlicheren Vorschriften (Gesetzen, Verordnungen, Durchführungsbestimmungen etc). Da bei uns immer noch die alte Regel „Bei anderen ist alles, was nicht ausdrücklich verboten ist, erlaubt. Bei uns aber ist alles, was nicht ausdrücklich erlaubt ist, verboten" gilt, muss die Liste des Erlaubten oder der jeweiligen Ausnahme-Tatbestände ständig angepasst (erweitert) werden.
Natürlich machen uns die in den Medien übertragenen Diskussionen, wenn fundiert und nicht - wie leider so oft - nur rhetorisch geführt, deutlich, dass sich die Verantwortlichen Mühe geben, zumal wenn am Ende eine überzeugende Mehrheitsentscheidung das Resultat der Diskussion ist. Ebenso wie in der Religion muss aber auch in der Politik immer deutlich werden, dass die einzelnen Menschen (die Bürger) und das Wohl möglichst aller dieser Bürger gegenüber Fraktions- oder Parteiinteressen die eindeutige Priorität haben und dass bei einer jeden Entscheidung das Interesse der Bürger den letzten Ausschlag geben muss. Bedauerlicherweise wird dies den Bürgern bei den ihnen in den Medien berichteten Ergebnissen der Parlamentsarbeit nicht immer, zu gewissen Zeiten sogar nur sehr selten deutlich. Bevor wir nun auch zu negativ über die Medien urteilen, die vielleicht durch etwas einseitige Berichterstattung, nach Meinung vieler, nur Unruhe unter das Volk streuen, sollten wir uns aber wieder klarmachen, dass es ja die Aufgabe der Medien ist, auch über das politische Geschehen zu berichten und ebenso, uns auch ihre Meinung dazu so deutlich und rechtzeitig zu erläutern, dass wir vor einer von ihnen gesehenen extremen Situation rechtzeitig gewarnt werden.
Leider können wir nicht eingreifen, da wir ja nur alle vier oder fünf Jahre einen Vertreter und eine Partei wählen dürfen und selbst, wenn unser Vertreter ins Parlament einziehen sollte, wird er sich dort der Mehrheit der Fraktion beugen müssen. Auch ist die Mehrzahl unserer Politiker gegen eine Befragung der Bürger bei besonders wichtigen Themen - wie sie zum Beispiel mit offensichtlich großer Zustimmung der Bevölkerung von Zeit zu Zeit in der Schweiz praktiziert wird. Dies müsste aber sicherlich, wenn praktiziert, für wenige Ausnahmefälle vorbehalten bleiben, da das Treffen von Entscheidungen die Aufgabe und Pflicht der zum Regieren gewählten Politiker bleiben muss. So können wir die Arbeit der Parlamente zwar nicht direkt beeinflussen, aber zumindest eine „Notbremse" haben auch wir Bürger (wie uns unsere Schwestern und Brüder aus den sogenannten „neuen", an sich jedoch uralten deutschen Bundesländern zeigten), nämlich die Straße.
Friedliche Demonstrationen oder Umzüge von einigen zehntausend oder gar noch mehr Bürgern würde auch unsere Regierenden von einer Unruhe und einer sich breitmachenden Unzufriedenheit im Volke überzeugen. Der bei Wahlen demonstrierte Unmut, aber mehr noch das leider noch öfter demonstrierte Desinteresse der Nichtwähler scheint offensichtlich noch nicht überzeugend zu sein, obgleich diese Gruppe bei einigen Wahlen ein besorgniserregendes Ausmaß annimmt.
Die Politiker versuchen stets, die Bürger von dem, was sie selbst für richtig oder angebracht halten, zu überzeugen. So sollte es ja im Normalfall auch sein. Doch manchmal wäre es gut, wenn sie etwas mehr auf die Stimmung in den verschiedenen Schichten des Volkes achten würden. Die in einigen anderen Ländern praktizierten Hausbesuche bei oder andere persönliche Kontakte der Kandidaten mit den potenziellen Wählern sind bei uns ja nicht üblich. Man begnügt sich meistens mit Fernsehauftritten, anpreisenden Plakaten oder lädt zu Veranstaltungen ein, die dann doch nur von sowieso interessierten Bürgern besucht werden.
Wenn die Nichtwählergruppe jedoch die Größe einzelner gewählter Parteien übertrifft, ist das stets ein Zeichen, dass sich große Teile unseres Volkes nicht richtig vertreten fühlen. Abgesehen davon, dass heute viele für unsere Volkswirtschaft wichtige Leistungsträger versuchen, ihr Glück in anderen Ländern zu finden, ist eine Unzufriedenheit größerer Bevölkerungsgruppen gleichzeitig aber auch ein unbeabsichtigter Lockruf nach Extremistengruppen der einen oder anderen Art, die gerne versuchen werden, die sich auftuende Lücke zu nutzen. Und so etwas haben wir ja leider noch in zu guter Erinnerung aus unserer nicht so fernen Vergangenheit, der Zeit der Weimarer Republik. Parteiverbote können auch nur formal wirken, da sie die Angehörigen dieser Gruppen entweder als leicht entzündbaren Fremdbestandteil in die Reihen anderer Parteien treibt oder als Nichtwähler der politischen Sichtbarkeit entzieht.
Die Straße wird in Nachbarländern ab und zu bei extrem unpopulären Situationen benutzt - und oftmals auch mit Erfolg. Uns Westdeutschen liegt diese Art der politischen Meinungsäußerung nicht so sehr, wir haben immer darauf vertraut, dass sich schon alles - auch ohne unser Zutun - zurechtläuft.
Wir müssen nur aufpassen, dass wir - wenn wir einmal von den Medien verschiedener Couleurs ernsthaft gewarnt werden sollten - rechtzeitig und drastisch reagieren. Denn unsere Väter oder Großväter haben ja einmal eine verhängnisvolle Entscheidung mitgetragen oder nicht abgewendet, nur weil man sich über den Ernst der Entscheidung (nach vielen Wahlgängen und ebenso vielen kurzen, erfolglosen Regierungsversuchen) nicht im Klaren war. Man glaubte damals wohl sogar im Ernst, diesen Hitler, ebenso wie die vielen seiner Vorgänger, jederzeit wieder stürzen zu können. Das war eine tragische und für unser ganzes Volk verhängnisvolle Fehleinschätzung, unter der nicht nur die Menschen in Deutschland, sondern auch viele, viele Menschen in anderen Ländern leiden und Millionen ihr Leben lassen mussten.
Extremisten können nur durch das weitverbreitete Desinteresse an Politik und durch die Gutgläubigkeit der Bevölkerung an Macht gewinnen.
Seien wir also auch weiterhin wachsam!

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