GERHARD H. F. LANGE



WIR UND UNSERE WELT




ERNSTE UND HEITERE GEDANKEN
IN VERSEN UND PROSA,
  DIE ZUM NACHDENKEN EINLADEN SOLLEN




EINLEITENDE GEDANKEN

Glaubt man Voltaires Dr. Pangloß, dann würden wir ja in der besten aller möglichen Welten leben, in der keine Wirkung ohne Ursache ist. Aber so, wie schon der junge Westfale Candid, könnte man nach vielen Erlebnissen und Erfahrungen zumindest zweifeln, ob der erste Teil dieser Aussage tatsächlich in jeder Beziehung zutrifft.
Natürlich werde ich mich hüten, zu versuchen, die Philosophie des klugen Magisters zu widerlegen. Ich möchte aber doch einige Gedanken und Beobachtungen zu bedenken geben. Betrachten wir die Gedanken einmal als Wirkung und die Erfahrungen als Ursache. Wirkungen und Ursachen sind überhaupt das, was diesem Buch - wie ja wohl den meisten Büchern - zugrunde liegt.
Die Frage nach der besten aller möglichen Welten muss ein jeder für sich selbst beantworten. Für mich ist unsere Welt jedenfalls die beste aller Welten, solange wir gemeinsam alles daransetzen, diese unsere Welt mit allem, was auf ihr lebt - und das sind nicht nur wir Menschen - zu schützen, so gut wir das können.

                                                                               *   *   *

Mit den vorliegenden Texten möchte ich versuchen, den jüngeren Generationen und allen, die im Herzen jung geblieben sind, einen Fächer von Themen anzubieten, um so ihr Interesse an für sie vielleicht Neuem und evtl. Interessantem zu wecken.


INHALTSVERZEICHNIS

GESAMMELTE VERSE 1
BESINNLICHES
EUROPÄISCHE GESCHICHTE  - EINMAL ANDERS -
WIR UND DIE UMWELT


DER GROSSVATER ERZÄHLT  UND ANDERE  KURZGESCHICHTEN

WIE WAR DAS FRÜHER EIGENTLICH?
JUGEND  DAMALS
DIE WANDERUNG
ES SIND DOCH NUR TIERE
NUR EIN TAG IN SAMS LEBEN
DER SCHLÜSSEL


PERSÖNLICHE EINDRÜCKE 
DAS VERGANGENE JAHRHUNDERT  BETREFFEND
GEDANKEN  ZUR  HEUTIGEN  ZEIT
JETZTMEHR ALS 12 JAHRE SPÄTER
AUF DER SUCHE
EIN TRAURIGER TIEFPUNKT IN UNSERER GESCHICHTE


WO LEBEN WIR EIGENTLICH?

VON WEGEN RUHE UND  BEHAGLICHKEIT
EIN VERSUCH, UNSER UNIVERSUM     "ÜBERSCHAUBAR" ZU MACHEN
WIE IST DAS MIT DER GESCHICHTE UNSERER ERDE?
UNSER UNIVERSUM    - WIE MAN ES AUCH SEHEN KÖNNTE -
.  .  .  UND DER MENSCH ?





GESAMMELTE VERSE


" BLICK ZU DEN STERNEN,
DOCH GIB ACHT AUF DIE GOSSEN!"

                                                 
                                                           Nach Wilhelm Raabe




BESINNLICHES


Je länger man lebt, desto mehr
ist da zum Erinnern,
und man hat dann auch entsprechend
viel Zeit, um darüber nachzudenken.
 


DER GEDANKE
Eben war er noch nicht da -
Wo nur kommt er plötzlich her?
Hat der Herrgott ihn gesandt?
Dann liegt darin sicher mehr!


DAS KUNSTWERK
Kaum war der Künstler fertig,
Die Farbe war noch feucht,
Hört man bereits Kritiken,
Die machten es sich leicht.

Die Leute, die gekommen,
Nicht wussten was sie sah'n;
Sie konnten's nicht verstehen,
Doch darauf kommt's nicht an.

Man weiß jetzt nur vom Künstler,
Dass's nicht sich lohnt, zu geh'n;
Man kann zu Hause bleiben,
Anstatt sein Werk zu seh'n.


GEDANKEN EINES GEFANGENEN
Siehst du wie die Vögel fliegen
Frei in ihrem Element?
Wie die Wolken stetig wandern,
Ohne dass ihr Lauf gehemmt?

Durch die Lüfte möcht ich schweben,
Frei und ohne Sorgen sein
Und das graue Alltagsleben
Wird verdeckt durch Sonnenschein.

DIE AUSERWÄHLTEN
Wo sind wir? Fragen wir erstaunt;
Was ist los auf dieser Welt?
Woher alle die Probleme,
Denen man sich täglich stellt?

Gab es Kriege denn schon immer?
Sind zum Kämpfen wir bestimmt?
Oder bringt Besitz nur Sorge,
Dass uns jemand etwas nimmt?

Krankheit hat's wohl stets gegeben,
Zu beschränken uns're Zahl;
Doch wir wollen länger leben,
´s ist doch nur dies eine Mal.

Nahrung gab's genug auf Erden,
Teilen mussten wir sie zwar,
Doch Besitz und langes Leben
Machten diese Nahrung rar.

Frei war jeder Erdenbürger,
Zu bestimmen sein Geschick;
Doch auf der verteilten Erde
Hat nicht jeder jetzt ein Stück.

Unsere Erde ist die alte
Und die Mitbewohner auch;
Doch wir drängen uns nach mehr,
Wie es ist der Menschen Brauch.

Ja, wir sind die Auserwählten,
Würdigsten, das ist uns klar,
Oder war es nur ein Zufall,
Der am Anfang für uns war?

DIE GROSSEN
Ludwig, Wolfgang, Friedrich, Johann,
Alle gaben sie uns viel -
Frage nicht: Wer ist der Größte?
And're kommen noch ins Spiel.

Michel, Wilhelm, Paul und Franz,
Peter gab es mehr're gleich,
Schufen sie für Aug' und Ohren -
Jeder zeigte uns sein Reich

Einige benutzten Worte,
Leiteten Gedankengänge,
Geistiges, nicht schaubar, hörbar,
Unbegrenzt von jeder Enge.

Frag nicht noch mal nach dem Lorbeer,
Nicht vergleichen man sie kann,
Keinen möcht ich missen müssen,
Jeder zieht in seinen Bann.

Hab ich bei der Wahl der Namen
Deinen Liebling überseh'n,
Nimm's nicht tragisch, denn die Großen
Können ohne mich besteh'n.


KINDER
Schimpfe niemals über Kinder,
Sieh' dir nur die Eltern an;
Wo kein Vorbild ist vorhanden,
Zufall nur gedeihen kann.

Schule kann nicht korrigieren,
Was schon vorher ward versäumt;
Kind braucht Liebe und Verständnis,
Zeit, die nur ihm eingeräumt.

‚Kinder haben' nebenbei,
So was dürfte es nicht geben,
Ist man doch verantwortlich
Für ein neu begonn'nes Leben.


FRITZCHEN
Freude, Stolz und Zufriedenheit
Man sieht sie den Eltern an,
Die Feier zu dieser Begebenheit
Nicht schöner dies spiegeln kann.

Verwandte und Freunde finden sich ein,
Vollzählig ist man heut' da -
Beim Täufling bereits erkennbar scheint,
Wie ähnlich er ist dem Papa.

Ist's nun des Haupthaar's Mangel?
Bestimmte Falten im Gesicht?
Vielleicht sogar die großen Augen?
Die Form des Kopfes ist es nicht!

Ein jeder sieht die Ähnlichkeit,
Tut dazu äußern sich;
´s gibt keinen Zweifel, dass dort liegt
Ein kleiner Friederich.

So wird er denn jetzt auch getauft,
Des Vaters Namen trägt er;
Man wünscht Gesundheit und viel Glück
Dem kleinen Mann für später.

FRITZI
Wild wächst heran der kleine Kerl,
Zu bändigen ist er kaum;
Man sagt, dass auch der Vater schon
Zu halten war schwer im Zaum.

Die Mutter ist zwar mächtig stolz,
Die Tanten mögen ihn nicht sehr;
Ein schlechtes Beispiel sei er nur,
Zieht stets die Vettern hinterher.

Ja immer ist er vorn dabei
Bei neuem wilden Spiel,
Den Nachbarn wächst die Ungeduld,
Gar manchem wird's zu viel.

Doch Fritzi auch zur Schule muss,
Die Lehrer werden´s ihm zeigen;
So denken viele hoffnungsvoll,
Den Frechen bringt zum Schweigen.

Die Freude war jedoch verfrüht;
Zwar ist ein schlechtes Beispiel er,
Doch auch beim Lernen ist er vorn
Das macht es für den Lehrer schwer.

Er ist oft Vorbild für die andern,
In vielem ist er weit voraus,
Es sei denn, dass sie nach der Schule
Im wilden Spiel sich toben aus

So wächst er auf im Übermut,
Wer wird ihn bremsen, wo und wann?
Dem Vater gleicht schon an Statur,
Der Fritzi, - bald ist er ein Mann.

FRITZ
Ein junger Mann ist Fritz geworden,
Noch hat er seinen Übermut;
Die Eltern machen sich schon Sorgen,
Dass auf die Dauer ´s geht nicht gut.

Ein jedes muss sich biegen lernen,
Um von dem Beugen nicht zu sprechen;
Man wird zwar nur allmählich starr,
Kann doch am Schicksal schnell zerbrechen.

Der Fritz, wie jeder wahre Mann,
Fühlt sich zu Mädchen hingezogen;
Die Schönste wäre für ihn recht,
Ist sicherlich ihm auch gewogen.

Doch diesmal hat der Fritz kein Glück,
Zu stolz kam er daher;
Energisch weist sie ihn zurück,
Er müsst sich ändern sehr.

Es ist für Fritz das erste Mal,
Dass er nicht kann erhoffen,
Was er sich selber ausgesucht;
Sein Stolz ist schwer getroffen.

Er mag sie aber gar zu gern,
Ob er sich ändern kann?
Er wägt es ab - mal so mal so,
Es hängt zu vieles d´ran.

Er möcht's ja gern, ob er's auch schafft,
Könnt' leben er zu zweit?
Verwöhnet hatten alle ihn
Durch Nachsicht lange Zeit.

Sein wildes Leben gibt er auf,
Er zeigt, wie ernst er's meint;
Versprechen tut er, was sie will
Und wird mit ihr vereint.

So sind sie bald ein junges Paar,
Zwar zweifeln noch viele der andern,
Der wilde Fritz, wie man ihn kennt,
Wird doch wieder anfangen zu wandern.

Die Zeit vergeht, der Fritz bleibt treu,
Der erste Nachwuchs stellt sich ein;
Es ist ein Knabe, wunschgemäß, -
Ein Fritzchen sollte es sein.


FRIEDRICH
Der Friedrich sitzt jetzt oft vorm Haus,
Denkt an die eigne Jugend;
Beim Fritzchen muss er sich bemüh'n,
Kommt nicht von selbst, die Tugend.

Es war doch eine schöne Zeit,
Als alles ihm gehörte;
Er nahm sich, was das Herz begehrt,
Zuerst 's auch keinen störte.

Als es dann aber störend ward,
Man Regeln hatte statt Geduld,
Da war die rechte Zeit verpasst -
Und das war nicht des Knaben Schuld.

Was man vom Fritz erwarten will,
Das muss der Fritzi schon versteh'n;
Drum muss bereits das Fritzchen lernen,
Mit leichten Regeln umzugeh'n.

Dem Friedrich wird jetzt plötzlich klar,
Warum man oft verpasst die Zeit;
's ist leicht, in Nachsicht sich zu üben,
Die von Verantwortung befreit.

Doch dieses g'rade tut sie nicht,
Denn Eltern sind, eh' sie's bedacht,
Die Stützen schuldig ihrem Kind,
Die es zum rechten Menschen macht.

Voll Liebe blickt er auf den Kleinen,
Er will ihm auch nichts schuldig bleiben,
Er wird versuchen maßzuhalten -
Von keinem darf man's übertreiben!


HEIMKEHR
Lang zieht sich das Band der Straße
Durch die Hügelkette hin,
Müde zieh ich meines Weges
Und es geht mir durch den Sinn:

Schnell ist doch die Zeit vergangen,
Seit ich diese Straße ging,
In die Ferne zu gelangen,
An die ich meine Träume hing.

Viel hab ich seither gesehen;
Glück war oftmals mir zur Seit,
Höchst willkomm'ner Weggefährte
War es mir zu jeder Zeit.

Kaum hatt' ich mir angewöhnet,
Dem Gefährten Glück zu trau'n,
Musst' ich lernen, dass es klug ist,
Nicht allein auf's Glück zu bau'n.

Das Erlernte fleißig üben,
Zielgerichtet vorwärts schau'n
Und zum endlichen Gelingen
Auf die eig'ne Kraft vertrau'n.

Und auch Menschen traf ich viele,
Lernen musste ich auch hier,
Denn nicht alle, die so taten,
Waren wahre Freunde mir.

Jahre fern der eignen Heimat,
Seien sie auch noch so schwer,
Helfen Reife zu erlangen
Und kein Kleinmut kommt mir mehr.

Fröhlich bin ich ausgezogen,
Zu erweitern meinen Blick,
Doch mein Sehnen ist verflogen,
Ruhig kehr' ich jetzt zurück.

Komm' ich dann nach Hause wieder,
Habe ich zwar nicht viel Geld,
Doch ich bringe manches mit mir,
Das für viele Jahre hält.

Schneller schreit ich jetzt dahin,
Auch die Müdigkeit ist fort,
Seh doch in der Ferne schon
Ich den lang vermissten Ort.

EUROPÄISCHE GESCHICHTE

- EINMAL ANDERS -

Menschen und ganze Völker
wandern und suchen,
So war es bereits in der Antike
und auch heute ist es noch so.



ALTE GESCHICHTEN
(ca. 1200 BC ?)
Noch üblich war es vor langer Zeit,
Zu streiten für Weib und Ehr' -
So fanden damals viele sich
Und zogen wohl über das Meer.

Dem Freund zu retten die holde Braut,
Das war der Grund, der hehre,
Doch kämpfte ein jeder außerdem
Für Reichtum, Ruhm und Ehre.

Sein Ehrengeschenk nahm man ihm fort,
Das zürnte den Peliden,
Und selbst die Mutter erreichte nichts
Zuwider den Atriden.

Erst als sein Freund zu Tode kommt,
Ergrimmt er so gewaltig,
Dass am Geschehen er sodann
Beteiligt sich nachhaltig.

Die linke Ferse bald jedoch,
Wie konnt' es anders sein,
Verhängnis brachte über ihn -
Die Wunde selbst war klein.

Die fremden Gestade wurden rot,
So viele lagen erschlagen,
Doch auch die Letzten raffte fort
Das Schicksal - lang hört man das Klagen.

So auch den grimmigen Atrid',
Obgleich zurückgekehrt,
Kassandra wusste wie es kommt,
Doch er hat nicht gehört.

Es kam von allen heil zuletzt
Nur Laertes Sohn nach Haus';
Wenngleich er sich dabei verirrt,
Ging's für ihn glimpflich aus.


ALLES NUR VETTERN ?
( ca. 120 BC bis 1066 AD )
Die Kimbern und Teutonen,
Auch aus dem Jütenland,
Sehnsucht nach Süden zog sie,
Doch mancher den Tod nur fand.

Sie wanderten und kämpften
Um Land und Ruhm und Ehr'
Und wurden am Ende geschlagen,
Nur Reste noch zogen umher.

Die Reste vereint mit Kelten
Konnten den Römern entweichen
Und, ständig von diesen getrieben,
Die Küsten Britanniens erreichen.

Britannien ward auch römisch,
Jahrhunderte blieben sie dort,
Die Flüchtlinge gingen im Volke auf
Und lebten als Briten hinfort.

Als viele Jahre später
Die Römer das Land verließen,
Die Pikten und die Skoten
Von Norden her vorstießen.

Die Briten alleine konnten
Sich dieses Drangs nicht erwehren,
So riefen sie denn zur Hilfe
Die Vettern über den Meeren.

Die Vettern in ferner Heimat,
Jüten und Angeln jetzt,
Sind mit den Nachbarn, den Sachsen,
Nach Britannien übergesetzt.

Die Angeln brachten den Namen,
Drum heißt es Engeland,
Und Angeln, Sachsen und Jüten
Bald hatten die Oberhand.

Die alte Heimat ward dänisch,
Jetzt kamen die Dänen von dort;
Sie kämpften g'en Jüten und Angeln
Und gingen so bald nicht mehr fort.

Die Dänen als Normannen
Geh'n nicht nur nach Engeland,
An allen Küsten Europas
Man bald danach sie fand.

An Galliens Gestaden
Die Normandie entstand,
Von dort Wilhelm erobert
Der Vettern Engeland.

Von da, wo wir her kommen,
Sie letztlich alle kamen, -
Vettern, nichts als Vettern
Trotz viel' verschied'ner Namen.


HORSA
(England 449 A.D.)
Die Söldner hatten sich bewährt,
Der Norden war vom Feind befreit,
Nun sollten sie nach Hause zieh'n,
Doch dazu war'n sie nicht bereit.

Auf Thanet hielten sie sich auf,
So war es abgemacht;
Die Insel war vom Land getrennt,
Der Übergang bewacht.

Im Süden war es Richborough,
Reculver lag im Norden,
Zwei Festungen gut ausgebaut
Man brauchte sich nicht sorgen.

Verstärkt durch neue Kampfgenossen
Gelang es doch der wilden Schar,
Den Übergang sich zu erkämpfen,
Fast eh's der Feind so recht gewahr.

Als sie den Medway schon erreicht,
Bei Aylesford eine Schlacht begann;
Man kämpfte hier für viele Stunden,
Bis dass die fremde Macht gewann.

Der Sieg lag schon vor Augen,
Da fordert das Schicksal den Zoll,
Zusammen mit vielen andern
Auch Horsa dran glauben soll.

Horsa, das war der Häuptling,
Mit Hengist die Würde er teilte,
Nun war es an Hengist zu zeigen,
Warum man im Lande verweilte.

Der ist denn auch weitergezogen,
Doch dauerte es Jahre zuletzt,
Bis, die man als Söldner gerufen,
Das Land hatten völlig besetzt.

HAROLD
(England, Oktober 1066)
Harold, des mächtigen Godwins Sohn,
Von den Fürsten zum König gewählt,
Musste sich fremder Völker erwehren,
Davon heut' keiner mehr erzählt.

Norwegens Truppen landen bei York,
Beeilen muss sich der König,
Er stellt sich zum Kampf bei Stamford Bridge,
Denn Zeit bleibt ihm nur wenig.

Allein, das Glück steht ihm zur Seit;
Nach kurzem schweren Ringen
Gelingt es ihm und seinem Heer,
Die Feinde zu bezwingen.

Der Sieg er ist errungen kaum,
Schon droht der nächste Schlag,
Im Süden landete indes
Herzog Wilhelm am gleichen Tag.

Der König zieht mit müdem Heer
Dem neuen Feind entgegen;
Er weiß, dass die Normannen sind
Frisch, stark und verwegen.

                 - - - - - -

Ein Hügel namens Senlac
Bei Hastings am Kanal
Dem König bietet Stellung -
Es ist die beste Wahl.

Die Hauskerls, seine Garde,
Und alles, was er fand,
Er zieht sie hier zusammen,
Zu bieten Widerstand.

Am Abend des 14. Oktober -
Die Schlacht war blutig und lang -
König Harolds rechtes Auge
Ein Normannenpfeil durchdrang.

Der König ist gefallen,
Sein Heer, das weicht zurück
Und Wilhelm, der Normanne,
Ist dankbar dem Geschick.


EIN GROSSER NAME
Der Karle fragt den Kalli:
"Nach wem bist du denn genannt?"
Der Kalli wusste genau Bescheid
Und antwortet daher gewandt:

"Die Franken zogen vom Niederrhein
Nach Gallien einst hinein,
Dort bildeten sie die Oberschicht -
Ein Frank'reich sollte es sein.

"Karl war der Name vieler,
Die Frank'reich machten bekannt,
Und da sie doch Germanen
Wurde ich Karl genannt."

"Jetzt weiß ich's", rief der Karle,
"Sieh du dich doch nur an,
Dass ich's nicht vorher wusste,
Das Dicke ist auch noch dran."

Da antwortet Kalli beleidigt:
"Nicht nur den Dicken gab's dort,
Auch einen, genannt 'der Große',
Sein Name lebt in mir fort!"

"Ha", lachte da der Karle,
"als ich zur Welt einst kam,
Bei uns war's alles viel simpler,
Vom Opa hab ich den Nam'."


EINER FÜR ALLE
(18.April 1864, Düppel, Schanze II)
Wer kennt noch die Geschichte
Vom wack'ren Pionier?
Sie kommt, denk ich an Düppel,
Stets ins Gedächtnis mir.

Längst ist die Zeit vergessen,
Wir denken anders heut';
Wer redet noch von Klinke?
Auch er hätt's längst bereut.

Ein Militarist der Klinke?
Das war er sicher nicht,
Nur einer aus dem Volke,
Der dachte, das war Pflicht.

Wer opfert sich heut' noch für and're?
Das ist nicht mehr modern;
Ein jeder nur noch für sich selbst,
Der Nächste ist uns fern.


DAS 19. UND 20. JAHRHUNDERT
Das Volk vertreten von klugen Männern
Wollte Deutschland einig seh'n,
Doch damals konnten die vielen Fürsten
Den schnellen Wandel noch nicht versteh'n.

Die Einheit kam erst einundsiebzig,
Jetzt war es Politik von oben,
Man sprach vom Zweiten Deutschen Reich,
Ein Fürst zum Kaiser ward erhoben.

Der Preußen König wurde Kaiser,
Es war an sich zu spät dafür,
Das Ende deutscher Landesfürsten,
Das stand schon damals vor der Tür.

Die Wilhelms liebten Glorienschein,
So war es doch seit jeher Brauch;
Sie taten wie sie es verstanden,
Doch übertreiben taten sie auch.

Der Wilhelm Zwei war eigentlich
Trotz viel Getu kein wilder Krieger,
War's sein Getu, war's Politik?
Er sah sich als gebor'ner Sieger.

Die Politik ließ ihn im Stich,
Er hat, eh' er es recht bedacht,
Die meisten Länder gegen sich -
Der Erste Weltkrieg war entfacht.

Vier Jahre dauerte der Krieg,
Dann kam es, wie es musste kommen,
Sein Reich und seine Kaiserkrone
Die hatte man ihm abgenommen.

Doch leiden muss das deutsche Volk;
Denn was die Fürsten angestellt,
Das galt es gutzumachen jetzt,
Verändert hatte sich die Welt.

Verantwortlich war jetzt das Volk;
Wo nahm man die Erfahrung her?
Politiker gab es genug,
Nur mit der Wahl tat man sich schwer.

Wen wundert's, dass am Ende sich
Man doch den Falschen hat erkoren,
Mit Deutschem Blut und Deutscher Ehre
Die alte Tugend ward beschworen.

Der Wilhelm war ein Ehrenmann
Verglichen mit dem, was jetzt kam,
Dem Teufel hatte man vertraut,
Als man sich diesen Hitler nahm.

Um Deutschlands Macht zu demonstrieren,
Da darf man doch nicht kleinlich sein,
Man nutzt das Zögern aller Nachbarn,
Nimmt immer neue Länder ein.

Doch auch im Volk wird jetzt gesäubert,
Man sagt, wer guter Deutscher ist,
Sperrt ein, wer Jude und Zigeuner,
Wer Sozi oder Kommunist.

So kam der Zweite Weltkrieg dann,
Die Deutschen mussten kämpfen wieder,
Es dauerte sechs lange Jahr,
Bis Deutschland lag erneut danieder.

Nicht nur für Krieg und seine Toten
Muss Antwort man sich geben jetzt,
Nein, Millionen andere Menschen
Durch Nazis kamen um zuletzt.

Der deutsche Name ist befleckt,
Nicht alle schuldig daran waren,
Doch Mahnung muss es stets uns sein,
Dass wir erkennen die Gefahren.

Das Volk muss stets sich neu entscheiden,
Wem es sich anvertrauen kann,
Nicht jeder der das Heil verkündet,
Ist, wenn gewählt, ein Ehrenmann.

DER DRANG NACH MACHT
Wie Perikles Gefallene ehrte,
Thukydides genau beschreibt;
Vielleicht war Hoffnung gar vorhanden,
Dass Krieg in Zukunft unterbleibt.

Doch dann gab es noch viele Kriege,
Von Kelten, Römern und Germanen
Und auch die vielen, vielen andern,
Die erst danach noch alle kamen.

Es gab zuletzt auch eine Zeit,
Bei der Vernunft zu oberst stand,
Doch Kriege gab es weiterhin,
Wohl weil man das vernünftig fand.

All das ist jetzt Vergangenheit,
Das Leben läuft in andren Gleisen;
Doch ob die Menschheit dafür reif,
Das muss in Zukunft sie beweisen.

Selbst heute gibt es ja noch Kriege,
Denn alter Hass erlischt nur schwer,
Wenn man nur wortgewaltig schüret,
Hilft oft kein gutes Reden mehr.

Der Drang nach Macht ist noch der Alte,
Das Schlachtfeld ist ein andres heut,
Ob ohne Krieg wir leben können?
Versuchen müssen wir's stets erneut!
 

WIR UND DIE UMWELT


Nur langsam begreifen wir, was wir an unserer Umwelt haben.
Leider begreifen wir aber noch langsamer, wie vorsichtig wir damit umgehen müssen,
damit auch unsere Nachkommen noch etwas davon haben.


DER MENSCH UND DIE NATUR
Fröhlich zieh ich meines Weges,
Wandere durch Wald und Flur,
Zu erfreuen meine Sinne
An den Gaben der Natur.

Die Natur ist die Verwandtschaft,
Denn wir sind ein Teil all dessen,
Was wir um uns wachsen sehen,
Selbst wenn wir es oft vergessen.

Hochmut trübt den Blick des Menschen,
Der ja Herrscher der Natur,
Oder weiß man es nicht besser,
Kennt das Wohl der Menschen nur?

Kaum Verständnis würden haben
Viele von uns, dass den Herrn,
Auch die andern Wesen kümmern,
Hat er sie doch g'rad so gern.

Doch wir sind nun mal die Klügsten,
Sind zum Herrschen auserseh'n;
Die Natur die muss sich fügen,
Da wir alles fast versteh'n.

Wenn ich jetzt so um mich blicke,
Kreucht und wächst da vieles noch,
Das, wenn nur nach uns es ginge,
Man entbehren könnte doch.

Nun, zum Glück gibt es noch Grenzen;
Mancher Hinweis der Natur,
Der gerad' wenn wir frohlocken,
Uns daran erinnert nur.

Darum heißt es für uns Menschen,
Ständig uns bewusst zu sein,
Dass ein Teil wir sind des Ganzen,
Denn, allein sind wir ganz klein.


DIE ALTE BUCHE
Sie blickt sich um verwundert,
Verändert sieht es aus,
In ihrem Alter schaut man
Nur selten noch hinaus.

Sie ist mit sich beschäftigt,
Das Leben fällt ihr schwer,
Manch Ast ist morsch geworden,
Verbraucht ist sie und leer.

Wie war's noch mit der Eiche,
Die stets dort drüben stand?
So lang' ich kann erinnern,
War sie zur rechten Hand.

Auch links dort fehlt die Linde,
Die Luft war ihr zu schlecht,
Sie klagte schon seit Jahren
Und fühlte sich nicht recht.

Dann kamen all' die Menschen
Und schauten sich uns an;
Die Linde musste weichen,
Dann kam die Eiche d'ran.

Um mich herum wird's lichter,
Ich weiß nicht, wann's begann,
Auch ich fühl schon das Ende,
Bald nicht mehr grünen kann.

RÜCKBLICK EINES BAUMES
Die alten Freunde sind nicht mehr,
Wie war die Zeit doch schön,
Kaum hundert Jahre ist es her,
Wie schnell sie doch vergeh'n.

Die Vögel flüstern's weit und breit,
Die Menschen seien uns Feind,
Erinnern kann ich noch die Zeit,
Da haben wir sie vereint.
 
Die Jungen hatten uns doch gern,
Sie saßen um unser'n Stamm;
Man traf sich dort von nah und fern,
Manch' Liebe so begann.

Was zählt heut' noch der alte Baum,
Die meisten tragen schon Zeichen,
Die Luft ist schlecht, man braucht den Raum,
Bald muss der Letzte weichen.

ZURÜCK ZUM BUCHANFANG

ZUM NÄCHSTEN TEXTABSCHNITT
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